Stell dir vor, du bringst dein Baby vom Krankenhaus nach Hause, es ist ganz liebevoll und fest eingewickelt und trägt eine kleine Mütze auf dem Kopf. Du gibst deinem Baby einen sanften Kuss auf die Stirn und schwörst dir, dass du niemals mit ihm sprechen wirst. Schließlich, willst du nicht was Falsches sagen? Es ist besser, nie etwas zu sagen, als etwas Falsches zu sagen, stimmt’s?

Würde diese Einstellung wirklich deinem Kind helfen? Natürlich nicht!

Die meisten Kinderärzte empfehlen, dass man so früh und so oft wie möglich mit seinem Kind spricht. Auch wenn ein Baby noch nicht antworten kann, lernt es allein durch das Hören deiner Stimme und den Rhythmus deiner Worte, Sätze zu bilden und die Sprache zu lernen.

So wie deine Stimme die Grundlage dafür legt, dass sie sprechen können, so legt das Reden mit ihnen von klein auf über Sex auf altersgerechte Art und Weise die Entwicklungsgrundlage dafür, dass sie eine gesunde Beziehung zu dem Thema Geschlechtsverkehr haben.

Gesunde Sexualität ist ein umfangreiches Thema, das mehr als nur Geschlechtsverkehr umfasst. Es umschließt Aspekte wie das Konzept des Einverständnisses, die Kenntnis der richtigen Begriffe für alle Körperteile, die Körperhygiene seines Intimbereichs und den Respekt vor sich selbst und anderen. Verschiedene Gespräche sind in verschiedenen Altersstufen angemessen.

Ein angemessenes Gespräch über Sex und Sexualität, wenn dein Kind klein ist, schafft mehr Vertrauen und Verständnis zwischen euch beiden, ganz zu schweigen von einer besseren allgemeinen Kommunikation.1,2,3 Viele Eltern überschätzen, wann sie anfangen sollten, mit ihrem Kind über verschiedene Aspekte der sexuellen Gesundheit zu sprechen.2,4 Widerstehe dem Impuls, das Gespräch über gesunde Sexualität aufzuschieben, bis dein Kind älter ist. Beginne früh und lege eine Foundation, auf der du aufbauen kannst, wenn dein Kind reifer wird.

Bedenke folgende Punkte, bevor du mit deinem Kind über Sex sprichst

Hier bei Saprea wollen wir keinem Elternteil genau vorschreiben, was er seinem Kind über gesunde Sexualität sagen soll. Natürlich kennst du dein Kind am besten. Wir möchten dir letztendlich nur hilfreiche Gesprächspunkte an die Hand geben, um den Prozess ein wenig einfacher zu machen. Im Folgenden findest du 10 Dinge, die du, dein Partner und alle anderen Erwachsenen in deinem Vertrauenskreis durchdenken solltest, bevor du mit deinem Kind über Sex und sexuelle Gesundheit sprichst. Diese Liste wird es dir ermöglichen, deine Gedanken zu sammeln, bevor dich die Fragen deines Kindes überraschen.

01
DIE MÄNNLICHE UND WEIBLICHE ANATOMIE

Was möchtest du deinem Kind über die Unterschiede zwischen der männlichen und weiblichen Anatomie beibringen? Wie wirst du deinem Kind diese Unterschiede beibringen?

02
ABSTINENZ, SICHERER SEX, KONDOME, VERHÜTUNGSMITTEL UND SEXUELL ÜBERTRAGBARE KRANKHEITEN (SÜK)

Was wirst du deinem Kind sagen und wann? Wie wirst du diese Themen auf eine gesunde Art und Weise ansprechen?

03
SEXUELLE ERREGUNG UND SELBSTBEFRIEDIGUNG

Wie wirst du diese Themen mit deinem Kind ansprechen, ohne Scham aufzuwühlen? Was wirst du antworten, wenn dein Kind dir Fragen stellt?

04
VERABREDUNGEN, ROMANZE, UMARMEN UND KÜSSEN

Wie würdest du dir wünschen, dass sich dein Kind mit Gleichaltrigen auf diese Weise verhält? Welche Dinge würdest du NICHT wollen, dass sie tun?

05
MENSTRUATION UND PUBERTÄT

Wann und wie willst du diese Themen ansprechen? Wie gehst du mit der Verwirrung um, die sie in Bezug auf ihre körperlichen Veränderungen haben könnten?

06
SEXUELL EXPLIZITE BILDER UND SEXTING

Wie wirst du mit deinem Kind darüber sprechen? Wie kannst du sie auf eine liebevolle, nicht beschämende Weise ansprechen? Was wirst du tun, wenn du entdeckst, dass dein Kind diese Bilder anschaut, sendet oder empfängt?

07
Vergewaltigung und Zustimmung.

Welche Rolle spielt das Einverständnis in ihrem jetzigen Leben auf eine nicht-sexuelle Weise? Wie hoffst du, dass sie das Konzept des Einverständnisses in ihren Beziehungen nutzen werden? Was wirst du tun, wenn du herausfindest, dass dein Kind vergewaltigt worden ist? Es kann besonders unangenehm sein, darüber nachzudenken, aber dein Kind wissen zu lassen, dass es in solchen Fällen zu dir kommen kann, kann einen großen Unterschied machen.

08
RESPEKT

Wie bringst du deinem Kind bei andere zu respektieren und gleichzeitig seinen eigenen Werten treu zu bleiben? Wie wirst du die negativen Aspekte der Rollenverteilung von Männern und Frauen ansprechen? Welche Rolle spielt der Selbstrespekt in diesem Gespräch?

09
SEXUELLER MISSBRAUCH

Was hast du gelernt, dass dein Kind über sexuellen Missbrauch wissen muss? Wie wirst du reagieren, wenn du mögliche Warnsignale erkennst?

10
SOZIALE MEDIEN UND PRIVATSPHÄRE

Was soll dein Kind wissen, damit es sicher und geschützt im Internet unterwegs ist? Wie wirkt sich die physische und nicht-physische Privatsphäre auf sie aus?

Wenn du über die oben genannten Themen nachdenkst, kann es dir helfen, dir bewusster zu machen, was du über sie glaubst, worüber du mit deinem Kind sprechen willst und wann du möchtest, dass es aufgeklärt wird.

Reden ist wichtig, egal in welchem Alter

Der beste Zeitpunkt, um mit deinem Kind über eine gesunde Sexualität zu sprechen, ist jetzt. Es spielt keine Rolle, ob dein Kind 5 oder 15 Jahre alt ist. Altersgerechte, kontinuierliche Gespräche über gesunde Sexualität sind eine der besten Möglichkeiten, um das Risiko für sexuellen Missbrauch zu senken.

Aber dieses Wissen macht es nicht unbedingt einfacher, diese Gespräche zu führen. Im Folgenden findest du ein paar Tipps, die dir dabei helfen, dem Unangenehmen ins Auge zu blicken und mit deinem Kind oder Teenager zu sprechen.

FÜHRE HÄUFIGE GESPRÄCHE
Ein nur allzu bekanntes Szenario ist das „große Gespräch“. Erinnerst du dich noch daran, als dich deine Mutter oder dein Vater mit dir zusammengesetzt hat und mit dir über den Geschlechtsverkehr gesprochen hat? Erinnerst du dich, wie du dich gefühlt hast? Wolltest du, dass sie so schnell wie möglich aufhören zu reden? Wie viel davon hast du bereits gewusst? Wie viel davon hast du direkt danach versucht zu verdrängen? Häufige kurze Gespräche über Sexualität im Laufe der Jahre sind viel entspannter, wenn man sich vergewissern möchte, dass das eigene Kind diese Themen versteht. Es kann so einfach sein, wie eine Frage zu beantworten oder ein etwas längeres Gespräch zu führen. Diese fortlaufenden Gespräche nehmen die Unbeholfenheit mit deinem Kind über das Thema Sex zu sprechen, außerdem wird sich dein Kind viel sicherer fühlen in Zukunft mit dir über dieses Thema zu sprechen.
ALTERSGERECHTE GESPRÄCHE, JE NACH REIFEGRAD DEINES KINDES
Das Alter ist nicht der einzige Faktor, der bestimmt, was du wann lehren solltest; die Reife deines Kindes spielt ebenfalls eine große Rolle. Kläre sie auf der Ebene ihres Verständnisses auf. Du kannst z.B. ein sehr grundlegendes Verständnis für private Körperteile vermitteln, wenn Kinder noch sehr jung sind. Wenn sie größer werden, kannst du ihnen erklären, wie Babys gemacht werden. Wenn sie in ihre Teenager-Jahre kommen, kannst du tiefer gehende Gespräche über Geschlechtsverkehr, Verhütungsmittel und gesunde Beziehungen führen. Du willst derjenige sein, der sie aufklärt und stärkt, überlasse es nicht dem Spielplatz, der Schule oder den Medien.
SEI OFFEN
Höre aktiv zu! Bemühe dich immer um einen offenen Dialog mit deinem Kind, egal wie alt es ist oder um welches Thema es sich handelt. Nimm dir Zeit, dein Kind kennenzulernen und schätze es für die Person, die es ist. Stelle Fragen und höre dir die Antworten bewusst an. Lass dein Kind wissen, dass du dich dafür interessierst, was es zu sagen hat. Diese kontinuierlichen Gespräche über gesunde Sexualität funktionieren am besten, wenn die Unterhaltungen auf Gegenseitigkeit beruhen.
AKTIVE ROLLE IN DEN SOZIALEN MEDIEN EIN
Kinder sind immer früher in die sozialen Medien aktiv unterwegs. Es ist wichtig, dass du die sozialen Plattformen kennst, die dein Kind nutzt. Das Grooming für sexuellen Missbrauch kann online beginnen, und zwar auf Wegen, von denen viele Eltern nicht einmal wissen, dass es sie gibt. Wenn du eine aktive Rolle in den sozialen Medien einnimmst, bleibst du auf dem Laufenden. Es wird dir auch helfen, mit relevanten Themen und Ereignissen in Kontakt zu bleiben, die du mit deinem Kind besprechen möchtest.
AGIEREN, NICHT REAGIEREN
Vermeide dramatische Reaktionen. Ganz gleich, ob du herausfindest, dass dein Kind etwas getan hat, was du für unangebracht hältst oder ob es etwas Schreckliches erlebt hat, heftige Reaktionen können bei deinem Kind ein enormes Gefühl der Scham hervorrufen, selbst wenn es keine Schuld hatte. Versuche, so ruhig wie möglich zu kommunizieren. Denke daran, dass eure Gespräche auf Gegenseitigkeit beruhen sollten.

Dein Bestes IST gut genug

Auch wenn all dies überwältigend erscheinen mag, solltest du dich daran erinnern, du selbst zu sein, auch wenn du dich überfordert fühlst. Niemand auf dieser Welt kennt dein Kind oder liebt es mehr als du. Du bist die beste Ressource und du bist die erste Person, die ihm/ihr helfen kann, wenn etwas schiefläuft.

Genauso wie du nicht vor deinem Neugeborenen schweigen würdest, hilft es deinem Kind nicht, wenn du über sexuelle Gesundheit schweigst. Etwas zusagen ist besser als nichts zu sagen, egal ob dein Kind 10 Monate oder 10 Jahre alt ist. Nimm dir heute Zeit, um darüber nachzudenken, was du deinem Kind beibringen willst, und sprich dann mit ihm/ihr darüber.

Referenzen:
1. Wurtele, S.K., & Kenny, M.C. (2011). Normative Sexuality Development in Childhood: Implications for developmental guidance and prevention of childhood sexual abuse. Counseling and Human Development, 43(9), 1-24.
2. Diiorio, C., Pluhar, E. & Belcher, L. (2003). Parent-Child Communication About Sexuality: A review of the literature from 1980-2002. Journal of HIV/AIDS Prevention & Education for Adolescents & Children, 5(3-4), 7-32.
3. Martino, S. C., Elliott, M. N., Corona, R., Kanouse, D. E., & Schuster, M. A. (2008). Beyond the "Big Talk": The Roles of Breadth and Repetition in Parent-Adolescent Communication About Sexual Topics. Pediatrics, 121(3).
4. Jaccard, J., Dittus, P. J., & Gordon, V. V. (1998). Parent-Adolescent Congruency in Reports of Adolescent Sexual Behavior and in Communications about Sexual Behavior. Child Development, 69(1), 247.

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