Auch wenn die Eltern den größten Einfluss auf das Leben eines Kindes haben, was die Erziehung zu einer gesunden sexuellen Entwicklung und die Reduzierung des Risikos von sexuellem Missbrauch angeht, spielen auch viele Erwachsene im Leben eines Kindes eine entscheidende Rolle – vor allem Lehrer. Sie haben das Potenzial, ein wichtiges Sicherheitsnetz für Kinder zu sein, die ein hohes Risiko für sexuellen Missbrauch zu Hause haben.

In den Vereinigten Staaten gibt es in jedem Bundesstaat Gesetze, die bestimmte Fachkräfte (wie Lehrer) dazu verpflichten, einen Verdacht auf Kindesmissbrauch zu melden. Informiere dich über die Gesetze in deinem Land und finde heraus, was deine rechtliche Pflicht ist. Diese, zusätzlich zu den Richtlinien deiner Schule, geben dir eine gute Grundlage dafür, was zu tun ist, wenn du Bedenken hast, dass ein Kind missbraucht wird.

Aber was kannst du sonst noch tun? Gibt es Möglichkeiten, wie du Anzeichen sexuellen Missbrauchs erkennen kannst? Kannst du eine Umgebung im Klassenzimmer schaffen, die das Risiko reduziert? Woher weißt du, was du sagen sollst und wann du es sagen sollst, um einem Kind zu helfen? Im Folgenden findest du sieben Tipps, wie du das Risiko von sexuellem Missbrauch für deine Schüler reduzieren kannst:

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FAKTEN KENNEN

Es gibt viel Fehlinformationen über den sexuellen Missbrauch von Kindern, deshalb ist es wichtig, dass du die Fakten kennst. Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen wird am ehesten von jemandem sexuell missbraucht, den sie kennen und dem sie vertrauen. Viel zu oft geschieht der Missbrauch innerhalb der eigenen vier Wände. Das bedeutet, dass die Schule einer der einzigen sicheren Orte für das Kind sein kann, egal ob du es erkennst oder nicht. Sexueller Missbrauch betrifft Kinder aller Nationalitäten, Religionen, sozioökonomischer Schichten und jeden Alters. Wenn du glaubst, dass es die Kinder deiner Schule nicht betrifft, liegst du falsch. Es ist auch wichtig, dass du die Anzeichen kennst und weißt, dass ein Kind ein schädliches sexuelles Verhalten aufweisen kann und zu einem Täter für andere Kinder werden könnte.

Sich mit genauen Informationen zu wappnen, kann einen großen Unterschied in deinem Klassenzimmer und deiner Schule machen. Wenn du auf Fehlinformationen stößt, kannst du eingreifen und die Missverständnisse korrigieren. Dies wird dir auch helfen, das Stigma dieses Themas zu reduzieren und die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit dieser Thematik unter deinen Kollegen zu verdeutlichen.

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ALTERSGEMÄSSE SEXUELLE ENTWICKLUNG

Je nach Alter und Reife eines Kindes kannst du ein Gespür für Muster einer gesunden sexuellen Entwicklung haben und dafür, was für Schüler in deinem Jahrgang normal ist und was nicht. Dies kann dir helfen, die Anzeichen von sexuellem Missbrauch zu erkennen, besonders, wenn die Anzeichen von ungesundem oder schädlichem Sexualverhalten darauf hindeuten, dass das Kind sexuell missbraucht wurde. Du kannst auch das Risiko verringern, dass ein Kind gefährliches Sexualverhalten ausübt, wenn du die Anzeichen dafür erkennst. Wir haben Blogbeiträge mit Informationen über typisches Sexualverhalten für jedes Alter (von Geburt an bis 2 Jahren, 3-6 Jahren, 6-9 Jahren und 10-12 Jahren). Denke daran, dass sich nicht alle Kinder im gleichen Tempo entwickeln und dass Dinge wie Reife, geistige oder körperliche Behinderungen und die Umgebung, in der sie aufwachsen, ihre Entwicklung ebenfalls stark beeinflussen können.

Wenn du mit dem Wissen ausgestattet bist, was für das Alter deine Schüler normal ist, wird es dir einfacher fallen, zu erkennen, wenn jemand nicht auf dem gleichen Entwicklungsstand ist. Das allein ist noch kein Anzeichen für sexuellen Missbrauch, aber wenn es mit anderen Faktoren kombiniert wird, kann es bewirken, dass du Fragen stellst, es meldest oder dich für ein Kind einsetzt, das Hilfe braucht.

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EMOTIONSREGULIERUNG FÖRDERN

Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Kind sexuell missbraucht wird. Einige dieser Faktoren können bekämpft werden, wenn ein Kind die Fähigkeit erlernt, seine Emotionen zu regulieren. Emotionsregulierung ist die Fähigkeit, auf die Emotionen, die man in einer bestimmten Situation empfindet, auf eine gesunde und akzeptable Weise zu reagieren. Als Erwachsene üben wir diese Fähigkeit oft, Kinder müssen diese Fähigkeit aber erst noch entwickeln. Reaktionen wie Wutanfälle, Schreien oder Nervenzusammenbrüche sind Hinweise darauf, dass ein Kind Schwierigkeiten hat, seine Emotionen zu regulieren. Je nach Alter deiner Schüler kannst du in deiner Klasse Regeln einführen, die ihnen helfen, Zeit und Raum zu haben, um mit überwältigenden Gefühlen umzugehen.

Einige Ideen sind, dass du ihnen „Zeit für sich“ gibst, um darüber nachzudenken, was sie fühlen und wie sie mit diesen Emotionen auf eine für die Klasse angemessene Art und Weise umgehen können (stelle sicher, dass sich das nicht wie eine Bestrafung anfühlt, sonst könnte es das Problem verschlimmern). Du könntest unser Rad der Emotionen nutzen und ihnen helfen, ihre Gefühle zu identifizieren, damit sie darüber sprechen können oder du kannst sie bitten, ihre Gefühle in Form eines Aufsatzes oder einer Geschichte aufzuschreiben, je nachdem wie alt sie sind.

Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Gefühle auf sichere Art und Weise zu erkennen und zu verarbeiten, ist nicht nur eine wichtige Lebensfertigkeit, sondern Studien belegen, dass es hilft, sie davor zu bewahren, sexuell missbraucht zu werden oder eine andere Person sexuell zu missbrauchen.

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SCHULRICHTLINIEN FÖRDERN UND UNTERSTÜTZEN

Die meisten Schulen haben Richtlinien für Dinge wie sexuelle Belästigung unter Schülern sowie Richtlinien, die die Interaktion zwischen Lehrern und Schülern regeln. Ermutige zu einer offenen Diskussion und zum Verständnis dieser Richtlinien, damit jeder (sowohl Schüler als auch Mitarbeiter) seine Rechte kennt und versteht und weiß, wie man die Rechte anderer respektiert. Wenn deine Schule diese Art von Richtlinien noch nicht hat, schaue, was du tun kannst, um sie einzuführen.

An vielen Orten müssen Lehrkräfte eine Schulung oder zusätzliche Trainings zum Thema sexueller Missbrauch absolvieren. Diese Trainings können oft emotional aufwühlend sein und einem das Gefühl geben, nichts bewirken zu können. Eine Möglichkeit, wie du dieses Training mit hoffnungsvollen und umsetzbaren Informationen ergänzen kannst, sind unsere Kurse für die Gemeinschaft.

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ELTERN ERMUTIGEN, IHRE KINDER AUFZUKLÄREN

Unabhängig davon, ob Ihre Schule ein umfassendes Sexualerziehungsprogramm hat oder nicht, glauben wir bei Saprea, dass Eltern die wichtigste Informationsquelle für ihre Kinder sind. Viele Eltern sprechen nicht mit ihren Kindern über eine gesunde sexuelle Entwicklung, einfach weil sie nicht wissen, welchen Einfluss es hat. Du kannst sie ermutigen, kleine Gespräche über die sexuelle Entwicklung mit ihren Kindern zu führen.

Sie wissen zu lassen, wie wichtig es ist, ihrem Kind selbstbewusste und aussagekräftige Kommunikation beizubringen oder wie wichtig es ist, ihrem Kind eine gesunde Beziehung vorzuleben. Du könntest sogar damit beginnen, mit ihnen über die Förderung des Selbstwertgefühlsihres Kindes zu sprechen. Wann immer möglich, ermutige sie, mit ihren Kindern offen und ehrlich über eine gesunde sexuelle Entwicklung zu sprechen, was den Unterschied ausmachen kann, um das Risiko zu verringern, dass das Kind sexuell missbraucht wird oder andere sexuell missbraucht.

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VERTRAUE AUF DEINE INTUITION UND MELDE PROBLEME

Beim Flughafen wird die ständige Durchsage gemacht, dass man auffälliges Verhalten, melden sollte. Wenn du siehst, dass ein Kollege oder Schüler besorgniserregende Verhaltensweisen aufweist, dann sprich es an. Das kann bedeuten, dass du einen anderen Lehrer oder eine Lehrerin darauf hinweist, dass die Beziehung zu einem Schüler oder einer Schülerin problematisch ist oder dass du einen Schüler oder eine Schülerin zur Seite nimmst, um zu fragen, ob alles in Ordnung ist. An deiner Schule gibt es vielleicht Richtlinien, an wen du dich wenden sollst und wie; vergewissere dich, dass du weißt, wie das Verfahren ist, wenn du etwas siehst.

Wenn du weißt, dass sexueller Missbrauch stattfindet, zögere nicht, ihn zu melden. Es gibt viele Überlebende von sexuellem Kindesmissbrauch, die es einem Lehrer zu verdanken haben, dass der Missbrauch, den sie erlebt haben, gestoppt wurde. Wenn deine Intuition dir sagt, dass mit einer Situation oder einer Person etwas „nicht stimmt“, dann ist es wahrscheinlich auch so und du solltest weiter nachforschen.

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SEI EIN VERTRAUENSWÜRDIGER ERWACHSENER

Es kann sein, dass es Kinder in deiner Klasse gibt, die sich zu Hause nicht sicher fühlen. Egal wie ihre Familie aussieht, egal wie viel (oder wie wenig) Geld ihre Eltern verdienen oder wie schön ihre Nachbarschaft ist, ein Kind kann ein Opfer sexuellen Missbrauchs sein. Du kannst eine Atmosphäre der Sicherheit in deinem Klassenzimmer schaffen und jemand sein, dem sie vertrauen. Lass sie wissen, dass sie mit dir darüber reden können, wenn es Probleme in ihrem Leben gibt. Betone ihnen gegenüber, dassGeheimnisse sie nicht beschützen.

Unabhängig davon, ob ein Schüler sexuell missbraucht wird oder nicht, es ist wichtig, dass sie einen Erwachsenen haben, dem sie vertrauen. Es ist ebenso wichtig, dass du deinen Schülern einen Raum gibst, in dem sie sich wohlfühlen und in dem sie ermutigt werden, ihre Emotionen auf eine gesunde Art und Weise zu verarbeiten.

GEMEINSAM SIND WIR STÄRKER!

Sexueller Missbrauch von Kindern ist eine Epidemie, von der viel zu viele Familien und Gemeinschaften betroffen sind. Gemeinsam können Eltern, Lehrer und Gemeindemitglieder einen Unterschied beWIRken. Wenn wir einen sicheren Raum schaffen, offen über dieses Thema zu sprechen, können wir die Zahl der Kinder, die jedes Jahr missbraucht werden, senken. Lerne, worauf du achten musst, und thematisiere dieses Tabu. Es könnte für deine Schüler den entscheidenden Unterschied in ihrer Welt ausmachen.

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